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9. Einige Voraussetzungen zum Verständnis der deutschen Entwicklung (Februar/März 1938)



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9. Einige Voraussetzungen zum Verständnis der deutschen Entwicklung (Februar/März 1938)

Der Übergang zum Faschismus in Deutschland beruhte auf dem politischen Sieg der defizitären Teile der Bourgeoisie, gesammelt in der »Harzburger Front« (damals auch die »Fronde der faulen Debitoren« genannt), über die hinter Brüning versammelten konkurrenzfähigen Teile. Die Entwicklung zwischen Brünings Sturz und Hitlers Machtantritt ist die wechselvolle Geschichte des schließlich erfolgreichen Konzentrationsversuchs des Finanzkapitals auf der Interessenlinie der defizitären Kapitalgruppen gewesen. Mit dem 30. Januar 1933 beginnt in Deutschland ein Regime des defizitären Kapitalismus: Durch staatliche Aufträge wird eine Geschäftskonjunktur inszeniert, in der die bankrotten Gruppen des Großkapitals ihr Defizit auf den Staat abwälzen und das Kreditpotential der übrigen Wirtschaft zur Finanzierung ihrer Sanierung und steigenden Bilanzprosperität ausschöpfen. Es ist eine Konjunktur nach dem umgekehrten Gesetz der ökonomischen Konkurrenz. Statt daß die nach internationalen Maßstäben rentablen Betätigungen des Kapitals auch nur tendenziell die unrentablen ausschalten, verzehren die defizitären die Grundlagen und Bedingungen der gesunden und engagieren nach und nach die Gesamtwirtschaft in einer sowohl ökonomisch unproduktiven wie unökonomischen Produktionsrichtung: militärische Aufrüstung und Ersetzung der bisherigen Konsumtion durch kostspieligere und schlechtere. Bis Ende 1935 wird diese Konjunktur noch aus den Kreditreserven des ökonomisch produktiven Wirtschaftssektors finanziert (Auswechslung der privaten Debitoren durch den staatlichen und der früheren Art von Kreditoren durch die neue); seit 1936 hat sich auch dieser Wirtschaftssektor hauptsächlich auf Rüstung und Autarkiewirtschaft umgestellt, so daß der deutsche Wirtschaftsprozeß nun im ganzen in der Spirale der privaten Profitbildung durch staatliche und volkswirtschaftliche Verlustbildung verläuft, einer Verlustbildung, die durch Deckung aus erhöhten Steuern, durch Kosteneinsparung aus Lohndruck und durch Verteuerung und Verschlechterung der Konsumtion die Arbeiterschaft, die Bauernschaft, die schwachen Mittelschichten und die Konsumtionsindustrien belastet. Die faschistische Entwicklung des deutschen Kapitalismus verläuft unterhalb der ökonomischen Gleichgewichtslage, in einem Zustand des Kapitalismus, in dem dieser nicht mehr fähig ist, seine eigenen Spielregeln des ökonomischen Konkurrenzkampfs einzuhalten, weil ihm aus diesem kein Profit mehr erwächst. Der Faschismus ist nicht, wie oft behauptet worden ist, die obere Vollendung des Finanzkapitalismus, er ist im Gegenteil — in der vorigen Krise — bei dem (durch Kriegsverlust, Enteignung des Auslandskapitals und Reparationen) schwächsten Kettenglied des Weltkapitalismus und in ihm wiederum von den ökonomisch schwächsten Teilen der Bourgeoisie herbeigeführt worden. Die am ökonomischen Konkurrenzkampf noch interessierten Teile konnten die defizitären nicht in Liquidation gehen lassen, weil dieses Defizit so groß war, daß seine Aufrechnung aus Gründen der Kapitalverflechtung und der politischen Gefahr der Arbeitslosigkeit etc. für sie untragbar war, die Gesamtherrschaft der Klasse aufs Spiel gesetzt hätte. Die Konzentration der deutschen Bourgeoisie auf der faschistischen Linie war eine erzwungene; diese ökonomisch erzwungene Konzentration der Gesamtklasse wird vom Faschismus in der »korporativen Wirtschaftsverfassung« kodifiziert und bildet, als polizeilich erzwingbare Solidarhaftung der Bourgeoisie für die Kosten der Aufrechterhaltung ihrer Klassenherrschaft (Schacht: »Wir sitzen alle in einem Boot!«), das reelle Kapitel der »Volksgemeinschaft«. Innerhalb dieser solidarischen Gefangenschaft der Bourgeoisie in ihrer Zwangslage — man kann sie wohl als Zwangslage der ökonomischen »Endkrise« bezeichnen — hat die Interessenfront sich inzwischen so umgedreht, daß die früheren Harzburger Autarkisten zu Exportinteressenten und die damaligen Exportinteressenten zu Autarkisten geworden sind. Jene waren Autarkisten, solange es auf den Aufbau der Rüstungskapazitäten und das innerdeutsche Rüstungsgeschäft ankam, sie brauchen den Export, sobald jene Kapazitäten fertig sind und der eigene deutsche Kriegsmaterialbedarf in der Hauptsache gedeckt ist; d. h. sie brauchen Außenkriege und Bundesgenossen ohne Rüstungsindustrie und im übrigen gesteigerte, nicht aber durch Göringsche Autarkiepolitik belastete und behinderte Konkurrenzfähigkeit gegenüber den anderen Rüstungsmächten. Eine kriegsstarke Rüstungswirtschaft steht im Frieden unter Exportzwang, an der Spitze die Unternehmungen, die Eigentümer der rüstungsindustriellen Reservekapazitäten sind. Umgekehrt sind die früher exportorientierten Industrien infolge ihrer inzwischen durch die Kriegs- und Autarkiewirtschaft stark veränderten Kostenlage und Produktionsrichtung außerstande, den internationalen Konkurrenzkampf wiederaufzunehmen. (Die jetzt im Februar 1938 ausgeräumte Oppositionsgruppe in der Wehrmacht stützte sich auf den Großteil der Schwerindustrie — außer Krupp —, hat sich jedoch vergebens bemüht, die I.G. Farben und Siemens für sich zu interessieren.) Der Faschismus durchbricht das tendenzielle Sinken der Profitrate an der Schwelle ihres Versiegens durch gewaltsame Steigerung der Mehrwertrate: er geht von der relativen wieder zur absoluten Mehrwertproduktion über (die durchschnittlichen Real-Netto-Lohnraten sind von 1932 bis 1936 um rund 33% gesunken, die Arbeitszeit ist um 15% gestiegen, das Arbeitstempo hat sich um schätzungsweise 20-25% beschleunigt). Der Faschismus steigert auf diesem Wege gewaltsam die Akkumulationsrate und hält die Konsumtionsrate gewaltsam nieder. Folglich ist er an die Erzeugung eines Mehrprodukts gebunden, das in seiner Endgestalt zu seiner Verwertung nicht auf den Markt, d. h. in letzter Instanz auf eine Steigerung der konsumtiven Kaufkraft, angewiesen wäre. Das Mehrprodukt muß vielmehr durch seinen Verkauf (an den Staat) aus dem Markt herausfallen oder darf durch seinen Verkauf auf dem Markt höchstens an die Stelle von konsumbezogenen Waren treten, die inzwischen ausfallen. Würde die Kreditinflation sich in gesteigerte Konsumtion umsetzen, so käme das System ökonomisch zu Bruch; die Kreditinflation käme durch monetäre Inflation zur Liquidierung, und der Kapitalismus fiele auf den Stand zurück, in dem er keinen Profit mehr bilden kann, richtiger: auf einen Stand, der um so viel tiefer unter diesem Nullpunkt liegt, wie die Kostenlage der Produktion sich inzwischen von der internationalen Konkurrenzfähigkeit entfernt hat. Dieser Zwangscharakter der einmal eingeschlagenen faschistischen Bahn bestimmt die realen Machtverhältnisse zwischen Bourgeoisie und Partei in Deutschland. Die terroristische Diktatur der Partei ist das unerläßliche Werkzeug für die Einführung und die Aufrechterhaltung der absoluten Mehrwertproduktion — mit allem, was zur gewaltsamen Niederhaltung der Konsumtionsrate und zur gewaltsamen Steigerung und ökonomisch defizitären Lenkung der Akkumulation an Zwangswirtschaft im Binnenmarkt und gegenüber dem Weltmarkt dazugehört —, daher die unerläßliche Voraussetzung für die Profitbildung im defizitären Kapitalismus. Auf der anderen Seite hat die Bourgeoisie in diesem System zwei Wurzeln einer oppositionellen Reaktion gegen die Diktatur der Partei. Erstens die Wurzel, daß ihre Profitbildung nur zu einem Teil aus der Steigerung der Mehrwertrate gedeckt ist, zu dem anderen ungedeckten Teil aber die gleichzeitige Defizitbildung beim Staat (mit der Folge erhöhter Steuerlast und der Zwangszeichnung von Reichsanleihen) und im Export (mit der Folge der industriellen Exportumlage) und die infla-torische Entwertung des Geldmaßstabs des Bilanzprofits zum Gegenkonto hat und hier unweigerlich wieder abgerechnet wird; und daß die Profitbildung zu dem Teil, der aus der Steigerung der Mehrwertrate gedeckt ist, ebensosehr wie der andere mit dem Verstoß gegen das Rentabilitätsgewissen des Kapitals und mit dumpfer Unruhe wegen der unheilbaren Verschärfung des Klassengegensatzes erkauft wird. So antino-misch diese Profitbildung, so ambivalent ist die bürgerliche Bindung an den Faschismus, so nichtig ist aber auch dieser oppositionelle Reflex gegen die faschistische Parteidiktatur. Die Partei hat gegen diese Opposition am 30. Januar 1933 gewonnen. Gleichwohl bleibt die faschistische Profitbildung der Bourgeoisie vom oppositionellen Schatten ihrer Antinomie ständig begleitet und bewahrt dem faschisierten Bürger in ihm noch den moralischen Schein seiner Person. Wenn die Antinomie besonders schreiend wird, d. h. wenn das Gegenkonto des Defizits der Bilanzprosperität an den Rand zu steigen droht, kann es geschehen, daß diese Opposition auch wieder politische Gestalt annimmt und aus ihrem Schatten ans Licht tritt. Eine solche Gelegenheit — ich glaube, es war für eine Opposition aus dieser Wurzel für lange die letzte — ergab sich im Herbst 1935, als die Rüstungskonjunktur die Kreditreserven der Zivilwirtschaft aufgezehrt hatte, die Ernährungskrise zum ersten Male aufbrach, die industriellen Rohstoffreserven zu Ende gingen und die Regierung gleichzeitig die Tempoverdoppelung der Aufrüstung beriet (und beschloß). Damals stand so ziemlich das ganze ehemalige Brüning-Lager in geschlossener Vergeßlichkeit hinter Goerdelers Denkschrift über die wirkliche Lage in Deutschland (vom Ende November 1935), in der mit programmatischer Aufstellung der dazu nötigen Maßnahmen die Umkehr auf dem seit Papen eingeschlagenen Weg und die Wiederherstellung einer kapitalistischen Rentabilitätswirtschaft gefordert wurde. Bei den erregten Diskussionen über diese Denkschrift unter Großindustriellen und Offizieren habe ich erlebt, wie alle Kritik am Regime vor der Frage verstummte, wie man denn die Hitlererbschaft beseitigen und positiv etwas anderes an die Stelle des Regimes setzen wolle; die Verkettung führte in zwingendem Kreis allemal darauf hin, daß die Opposition genau das wiedereinsetzen müßte, was sie abgesetzt hätte. Dies — und nicht der Mangel an Waffen und Moral gegen die Gestapo — lähmt, in letzter Reduktion, jede bürgerliche Opposition von politischem Belang, begründet die objektive Ohnmacht der Bourgeoisie und die objektive Übermacht der Partei. Darum sinkt auch nicht, sondern wächst die Machtstellung der Partei mit wachsenden ökonomischen Schwierigkeiten der Bourgeoisie, und die Partei handelt im Sinne ihres Interesses absolut logisch, indem sie stets die jeweils mögliche Verschärfung des Kurses betreibt; wobei ihr Interesse ausschließlich das an ihrer Macht ist. Zu fürchten hätte die Partei die Großbourgeoisie und die Wehrmacht nur dann, wenn, z. B. durch eine massive Hilfe des Auslands, die ökonomische Lage des Kapitals renormalisiert würde, und in einem solchen — nur theoretisch erheblichen — Fall würde unzweifelhaft die Partei den mit der Auslandshilfe verfolgten Sanierungszweck mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln sabotieren. Die Faschistenpartei ist der Knecht der Bourgeoisie, aber nur in dem Verhältnis, daß sie über ihrer Bourgeoisie im Sattel sitzt und diese mit Sporen und Kandare ihre eigene Bahn reitet. Der defizitäre Kapitalismus bringt in diesem Verhältnis der faschistischen Diktaturgewalt zur Bourgeoisie das Machtelement der bürgerlichen Klassenherrschaft zur Abstraktion von ihren ökonomischen Interessenelementen; die materiellen Widersprüche und Interessengegensätze erscheinen im Charakter von bloßen Personalkämpfen um das scheinbare Absolutum der Macht und mit Mitteln des Individualterrors. Je schärfer die ökonomischen Widersprüche und Schwierigkeiten in der Lage der Bourgeoisie werden, um so ohnmächtiger muß sie einen Hebel ihrer Kommandogewalt nach dem andern an die terroristische Parteigewalt abtreten. Die zweite Oppositionswurzel der Bourgeoisie ist die Gefangenschaft aller ihrer Einzelgruppen in der faschistischen Konzentration der Gesamtklasse. Der Faschismus, wenigstens der deutsche, ist wie mit der Steigerung der Mehrwertrate, so auch mit einer veränderten Verteilung der Profitmasse zwischen den verschiedenen Sektionen der Bourgeoisie verknüpft: das monopolistische Industriekapital eignet sich den Großteil auf Kosten des Bankkapitals, der Landwirtschaft, des Handels und des mittleren Industriekapitals an und unterwirft diese Sektionen der von ihm kontrollierten faschistischen Zwangswirtschaft. Dies ist der andere Aspekt des faschistischen Korporativismus. Der Austrag innerbürgerlicher Interessenkämpfe ist daher, nach vollendeter Gleichschaltung, auf den Kreis der großindustriellen Monopolgruppen beschränkt, z. B. auf den Kampf der LG. Farben, Siemens etc. gegen den Profitvorrang von Krupp und der übrigen Schwerindustrie unterm »ersten Vierjahresplan« und den jetzigen Kampf der Schwerindustrie gegen den Profitvorrang der LG. Farben u. a. beim »zweiten Vierjahresplan«. Die Interessenkämpfe adressieren sich nicht an die Gegengruppe, sondern an die Staatsinstanzen und erscheinen daher als Oppositionskämpfe gegen das Regime; dieser Schein träfe jedoch höchstens auf Kämpfe der geknebelten, freilich auch entsprechend ohnmächtigen Sektionen zu. Großkapitalistische Interessenspannungen führen nur zu partieller Opposition oder zu einer Opposition aus einem Teilinteresse, nicht aus dem Grundinteresse der Gruppe; die Opposition ist Kampf um Einzelmaßnahmen des Regimes und steht auf seiner Basis. Das sind Reibungsschwierigkeiten, aber nicht Bruchgefahren für das Regime, und die Enteignungsdrohung schlägt die Opposition sofort nieder, weil das Regime aus dem Grundinteresse der Gesamtbourgeoisie heraus stark genug ist, sie mit exemplarischer Bedeutung gelegentlich auch wahr zu machen. Die partiellen Interessenspannungen bleiben von der mächtigeren Kettung der Gesamtklasse an die faschistische Diktatur umklammert, und diese Klammer verstärkt sich, wenn sich mit wachsenden Schwierigkeiten der Gesamtlage die partiellen Gegensätze verschärfen: nicht das Regime zerbricht an diesen Spannungen, sondern es bricht mit der Macht dieser Spannungen über seine zu eng gewordenen Schranken nach außen. Für die zentrifugalen Tendenzen des deutschen Faschismus ist ökonomisch entscheidend wohl der Charakter der faschistischen Binnenkonjunktur als absoluter Investitionskonjunktur: ihre Auftragskette verläuft im geschlossenen Kreise der Produktionsmittelindustrien untereinander, ohne im Prinzip in den Konsumtionssektor zu transzendieren, es sei denn substitutiv und ohne seine konjunkturelle Steigerung. Dieser Charakter als absolute Investitionskonjunktur entspricht der absoluten Mehrwertproduktion des defizitären Kapitalismus und ist nur die positive Kehrseite davon, daß das Mehrprodukt keinen konsumtiven Gebrauchswert haben darf. Zugleich ist er die Grundlage für die unbedingte Vorrangstellung des investitionsindustriellen Großkapitals vor allen anderen Kapitalklassen. In diesem Charakter vollendet sich eine Tendenz, die schon die vorangegangenen Konjunkturphasen zunehmend beherrschte. Sie hängt gleichfalls mit dem tendenziellen Fall der Profitrate zusammen. Je höher die organische Zusammensetzung des Kapitals ist, um so länger die Lauffristen und um so niedriger die Zinshöhe der Investitionen, die, z. B. zur Erschließung unentwickelter Länder, von der Nachfrageseite nötig wären, um die vorhandenen Produktionskapazitäten zu ökonomisch produktiven Zwecken ausreichend zu nutzen; aber um so mächtiger werden aus derselben Ursache der Monopolismus und die Anarchie des Konkurrenzkampfs, der mit allen Machtmitteln des vom monopolkapitalistischen Interesse beherrschten Staats geführt wird, um so unsicherer werden tatsächlich die Kapitalanlagen, um so teurer die tatsächlichen Kosten der Investitionskredite (mehr Risikoprämie als Zins) und um so schärfer die Tendenz zur Verkürzung der Anlagefristen (bis zur Erscheinung des investitionsflüchtigen »hot money«). Um die heute vorhandenen Produktivkräfte, namentlich der Grund- und Schlüsselindustrien, voll auszunutzen, wären, wenn die Nutzung zu ökonomisch produktiven Zwecken erfolgen sollte, Erschließungsprojekte und Investitionen von solchem Umfang, solcher Fristenlänge und Billigkeit nötig, daß sie das Profitinteresse des Kapitals gänzlich übersteigen und auch qualitativ den Konkurrenzkategorien und Maßen der Privateigentumsordnung sich entziehen. Von diesem Widerspruch werden die verschiedenen Produktionszweige und -stufen verschiedenartig betroffen. Während die Investitionen noch ausreichen, um eine lohnende Nachfrage für die Chemie, die Schwachstromtechnik, den leichten Maschinen-, Motoren- und Apparatebau zu schaffen — weil sie die stärksten aktiven Kapitalbildner sind, beherrschen diese »neuen« Industrien auch finanzkapitalistisch die Investitionspolitik —, gerät die Struktur der Produktionsstufen von ihrer investitionspolitisch anspruchsvolleren Basis, von der Eisen- und Stahlindustrie, der Starkstromtechnik, dem schweren Maschinenbau etc. und der Rohstoffproduktion her in eine zunehmende relative Verengung ihres ökonomischen Spielraums. Diese Verengung aber bewirkt im Monopolkapitalismus keine entsprechende Einschränkung der Produktionskapazitäten, im Gegenteil: die relative Marktverengung ergibt wie die relative Marktausdehnung, wenn auch aus entgegengesetzten Motiven, den gleichen strikten Zwang zur Kostenrationalisierung und damit zur Kapazitätssteigerung. Zugleich schafft auf der finanziellen Seite die Kapitalverflechtung Liquidationshemmungen, die nur an der Herrschaft der Gesamtklasse ihre Grenze finden. Nach den Gesetzen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse entwickeln sich die Produktivkräfte im Widerspruch zu diesen Produktionsverhältnissen. In den monopolkapitalistischen Konjunkturen setzt dieser Widerspruch durch das Mittel der zunehmend kreditinflatorischen Finanzierung der Konjunkturen sich durch. Durch die Kreditinflation betrügt sich das Kapital über die ihm wirklich gesetzte Profitmarge und büßt dafür mit einer Verschärfung der Krisen. Hierbei wird von mir das überhöhte Zinsniveau, das durch die Kreditinflation künstlich herabgedrückt werden muß, so interpretiert, daß es der widerspruchsvolle Reflex der tatsächlich unter die noch lohnende Investitionsschwelle, den Grenzzins, gesunkenen Profitrate ist; dieses Sperrniveau des Zinses muß auf eine ökonomisch zwar immer noch fiktive, aber hinreichend niedrige Stufe gesenkt werden, um dem Kapital das Risiko einer Investitionstätigkeit — Tätigkeit zu dialektisch notwendiger Fehlinvestition — tragbar erscheinen zu lassen; kapitalreiche Länder können sich, bis die Mittelschichten ausgepowert sind, diese Kreditinflation im Rahmen relativer Mehrwertproduktion als ökonomische Arbeitsbeschaffung leisten, kapitalarme Länder müssen sie auf der Basis absoluter Mehrwertproduktion als militärische Arbeitsbeschaffung treiben. — Dieselben Industrien, die aus Gründen ihrer Kostenstruktur (hohe unelastische Kapitalkosten bei relativ abnehmendem Kapitalumschlag) auf den Übergang zur absoluten Mehrwertproduktion drängen, brauchen von der Nachfrageseite her die mit dieser absoluten Mehrwertproduktion verbundene Emanzipation ihrer Produktionsentwicklung von der konsumtiven Nachfrageentwicklung, d. h. vom freien Markt. Sie benötigen die ausschließlich kredit-inflatorisch finanzierte absolute Investitionskonjunktur, die sich durch die Natur ihres Mehrprodukts von den Bedingungen der ökonomischen Wertbildung und des Krisenzyklus loslöst. — Die Tendenz dahin hatte sich, speziell von Deutschland aus gesehen, schon in der Konjunktur bis 1929 in dem negativen Ergebnis vorgeformt, daß die konsumtive Endbezogenheit des Rationalisierungsprozesses, der den Gegenstand der investitionsindustriellen Konjunktur gebildet hatte, sich nach deren Abschluß nur noch dazu gut erwies, von der Krise widerlegt zu werden. Als die internationale inflatorische Kreditbasis dieser Konjunktur 1931 dahinschwand, fielen für das Schuldnerland Deutschland alle Bedingungen fort, die einer marktbezogenen Konjunktur bis dahin zum Vorspann gedient hatten (die Reparationslieferungen eingeschlossen). In seiner besonderen Lage hatte es, sofern es überhaupt beim Kapitalismus belassen wurde, gar keine andre Wahl, als die Kreditinflation, die ihm bisher von den Kapitalmächten beschert worden war, nun ohne das nötige Kapital selbst zu betreiben und damit die faschistische Entwicklung einzuschlagen, die, statt von den Gesetzen der kapitalistischen Ertragsbildung, vom Terrorismus des kapitalistischen Defizits beherrscht wird. Die faschistische Konjunkturentwicklung entzieht sich dem zyklischen Krisenzwang, jedoch nur, um den Zwang zur unausgesetzten und tendenziell schrankenlosen ProduktionsSteigerung dafür einzutauschen. Es ist der Zwang, mit unausgesetzter Steigerung des Produzierens vor der Fälligkeit der Krise zu fliehen, deren komplementärer Ausdruck sie ist. Sie spielt im Hohlraum der ökonomischen Endkrise des Kapitalismus und entwickelt diese, da dem Kapital die Produktivkräfte nicht rechtzeitig fortgenommen wurden, nach der Konsequenz ihrer Widersprüche zur kriegerischen Endkrise fort. Es gibt keinen oberen Sättigungspunkt der faschistischen Konjunktur; sie schreitet bis an die Elastizitätsgrenzen der Produktion, die Grenzen der verfügbaren Materialien, Kapazitäten und Arbeitskräfte fort und kann auch an ihnen nicht halt machen. Der deutsche Faschismus hatte mit seiner Rüstungskonjunktur diese Grenzen, grob gesprochen, Ende 1935 und 1936 erreicht — auf einigen Feldern waren sie es schon 1934, auf manchen sind sie es heute noch nicht —, und unter dem Titel des »zweiten Vierjahresplans« macht er seitdem den Versuch ihrer Überwindung selbst zum Gegenstand der Konjunktur. Er hatte das Pech, innerhalb der gegebenen Grenzen mit seinem Kriegspotential nicht fertig zu werden, und muß den »zweiten Vierjahresplan« folgen lassen, um die Voraussetzungen zur Vollendung des ersten zu schaffen. Aber bei dieser Regression nehmen seine Widersprüche nicht minder gefährliche Gestalt an. Die Materialgrenzen waren zum Teil schon Ende 1934 erreicht; in der Textilindustrie wurde mit der Autarkisierung bereits damals begonnen, und das Ergebnis ist typisch für den ganzen Prozeß: die Umstellung auf synthetische Spinnstoffe hat diese bis dahin stark devisenaktive Industrie so sehr in ihrer Exportfähigkeit geschädigt, daß die Devisenbilanz sich im Resultat von dieser »Entlastung« verschlechtert findet. Analoges droht von der Autarkisierung in Eisenerz; hier wird der halbe deutsche Export von der Verteuerung der Produktionskosten betroffen. Jeder solche Schritt zur Annäherung an das Ziel ist ein Schritt der Entfernung von ihm, die Erweiterung der Grenzen hinterrücks ihre Verengung, und der anfangs nur partielle Materialmangel hat sich konsequent in totalen umgesetzt. Die Kalamität darf sich dem Faschismus nur als weiteres Produktionsproblem darstellen, womit sie sich auf einen Mangel an Kapazitäten überträgt und, da deren Vermehrung eine Frage der Verfügung über Material und Arbeitskraft ist, sich zum Mangel an Arbeitskräften fortpflanzt. An dieser letzten Elastizitätsgrenze aller Ökonomie ist man jetzt angelangt, und an diesem Punkte werden nun die Widersprüche kritisch. Stehen keine zusätzlichen menschlichen Reserven zur Verfügung, so kann dem Mangel an Arbeitskräften nur abgeholfen werden durch Steigerung der Produktivität der Arbeit; in seiner Rede vom 20. Februar 1938 hat Hitler sie angekündigt. In der Tat ist die Erschöpfung der Elastizitätsreserven der Produktion nur die vielfach vermittelte Auswirkung der seit 1933 betriebenen Produktivitätssenkung der deutschen Arbeit, ihrer ökonomischen Produktivitätssenkung durch Rüstungsproduktion und Autarkiewirtschaft. Da man den Wertmaßstab des ökonomischen Verlustprozesses, die intervalutarische Bilanzfunktion der Währung, ausgeschaltet hat, wird der Verlust zur Schranke erst beim Mangel an den Sachen. Im Verfolg seiner Verlustwirtschaft bei der Erschöpfung der Arbeitskraftreserven angelangt, begegnet der deutsche Faschismus dem Erfordernis, die Produktivität der Arbeit zu steigern, damit er mit der Aufrüstung und Autarkiewirtschaft fortfahren kann. Er braucht somit, kurz gesagt, die Steigerung der ökonomischen Produktivität der Arbeit als Mittel, um sie zu senken. Von diesen beiden ist nur eines möglich. Entweder muß der deutsche Faschismus seinen Prozeß rückgängig machen und seine eigenen Voraussetzungen aufheben, indem er den deutschen Kapitalismus wieder auf die Ebene echter Rentabilitätswirtschaft zurückbringt bzw., da er das nicht kann, der deutschen Bourgeoisie den Weg freigibt, mit dem Ausland über ihre ökonomische Rettung zu verhandeln; und dies ist der Kern der Oppositionsfront gewesen, die Hitler am 4. Februar zerschlagen hat. Oder eben, er behauptet seine Gewalt, dann muß er die Schranken, die ihm ein Ende zu setzen drohen, gewaltsam sprengen und seinem defizitären Produktionsfortgang fremde Material-, Kapazitäts- und Arbeiterreserven erschließen. Das hat jetzt mit Österreich prompt begonnen und wird sich im ganzen Donauraum fortsetzen. Da aber nicht so sicher ist, daß die dortigen Quellen so schnell und reichlich für Deutschland zu fließen beginnen werden, wie dessen Zustand es nötig macht, sei der Gesetzmäßigkeit jenes Widerspruchs bei nicht erweiterten Grenzen noch nachgegangen. Mit der Verzehrung des ganzen aus der Arbeit der Vergangenheit akkumulierten Reichtums am absoluten Ende angelangt, müßte der deutsche Faschismus, auf seinen bisherigen Machtbereich beschränkt, erst wieder für die Produktion neuen Reichtums sorgen, bevor er weiterhin Reichtum verzehren kann. Er müßte den ganzen, durch die Senkung des Lebensstandards bisher nicht abgehungerten Teil des von ihm aufgebauten Kriegspotentials mit eigner Hand wieder abreißen und ihn in Investitionen zur Produktivitätssteigerung der deutschen Arbeit, konsumbezogene Investitionen, umschmelzen. Er hätte von den Methoden der absoluten wieder zu denen der relativen Mehrwertproduktion zurückzukehren und seine bisherige Betätigung durch eine mehrjährige Zeit echter ökonomischer Leistungssteigerung und wirklicher Friedenswirtschaft zu unterbrechen, um sich danach mit einem Kriegspotential übrig zu finden, nicht größer, als es sich die auf dem Niveau eines gesenkten Lebensstandards wieder stabilisierte deutsche Wirtschaft bei dem dann erworbenen Produktivitätsstand der Arbeit leisten kann. Daß eine solche Wesensbeschädigung dem deutschen Faschismus wirklich widerfahren könnte — tatsächlich wäre es seine Wesensaufhebung, da seine Garden dann nur noch zu einer polizeilichen, aber nicht mehr faschistischen Betätigung in einem autoritären Regime der Bourgeoisie verwendbar wären —, steht natürlich nicht zu erwarten. Aber ermessen läßt sich daran, mit welcher Gewalt er jetzt zur Expansion gestoßen ist, um neue Quellen an verzehrbaren Produktionsreserven so schnell und reichlich zum Fließen zu bringen, daß jene Wesensbeschädigung ihm auf ein Minimum und auf ein Interim beschränkt bleibt. In dessen wie immer bemessener Beengung hat er aber auch noch nach innen eine elastische Ausweichmöglichkeit. Es ist die, daß er — um sie uns ebenfalls in ihrer extremen Figur vorzustellen — die Arbeiterschaft bis an die Grenzen ihrer absoluten physischen Erschöpfung zwingen könnte, die zu den produktivitätssteigernden Investitionen gehörige Arbeit in der ihr jetzt noch verbleibenden Freizeit ohne jeden Lohnzusatz zu leisten. Dann brauchte diese Arbeit nicht von der fürs Kriegspotential abgezogen zu werden, und wenn man überdies den Arbeitern auch noch die Kosten für die zu denselben Investitionen gehörigen sachlichen Produktionsmittel aufhalsen könnte, brauchten auch diese nicht aus dem Sektor des Kriegspotentials herausgeschnitten zu werden, sondern wären durch Mehreinfuhr beschaffbar. Der deutsche Faschismus ist zwischen die Widerstandskräfte von außen und diejenigen von innen eingekeilt und wird in der Richtung und im Grad seiner Gewaltaktionen von den Proportionen des Drucks bestimmt, der ihn von den einen gegen die anderen preßt. Daraus ergeben sich von selbst die Regeln, die, je nach den empirischen Fakten der Lage, den Gang seiner Donauexpansion beherrschen werden: das Tempo und die Methoden der Unterwerfung Österreichs, das Überspringen auf die weiteren Donauländer, die Frage ihrer friedlichen oder ihrer militärischen Gleichschaltung, die Bedeutung von Widerstand, Willfährigkeit oder Komplizität der anderen Großmächte, die Herbeiführung einer mitteleuropäischen Währungsunion als Voraussetzung für eine durchgreifende Erschließung der Donaureserven, usw. Der CSR gegenüber wäre Gewaltanwendung vermeidbar, weil sie vollständig umzingelt ist; die Frage ist nur, ob Deutschland genügend Zeit hat, den Erfolg der geräuschloseren Methoden der Aushungerung abzuwarten. Aber der Chamberlain-Kurs in England wird Hitler die Kosten des Schießens schon zu ersparen wissen. Der andere Schluß aus jenen Überlegungen ist, daß der akute Verelendungsprozeß des Proletariats unterm Faschismus erst beginnt, wenn dieser die Arbeitslosenbestände der Reservearmee ausgeschöpft hat. Auch hier befolgt der defizitäre Kapitalismus die umgekehrten Gesetze wie der reguläre. 1 ... 14 15 16 17 18 19 20 21 22


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